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VDI 6022 Kate­go­rie A und B — Kate­go­ri­sie­rung

Lueftung in U-Bahn VDI 6022 Kategorie A

Die Richt­li­nie VDI 6022 ist in Deutsch­land der zen­tra­le Maß­stab für die hygie­ni­sche Bewer­tung raum­luft­tech­ni­scher Anla­gen. Vie­le Betrei­ber wis­sen, dass dar­in zwi­schen VDI 6022 Kate­go­rie-A- und Kate­go­rie-B-Anla­gen unter­schie­den wird. In der Pra­xis zeigt sich jedoch, dass die­se Ein­tei­lung häu­fig falsch inter­pre­tiert oder zu stark ver­ein­facht wird. Die Fol­ge sind weni­ger hygie­ni­sche Pro­ble­me als viel­mehr for­ma­le Abwei­chun­gen, unvoll­stän­di­ge Doku­men­ta­ti­on und Unsi­cher­hei­ten bei Prü­fun­gen oder Audits.

Lueftung der Kategorie A nach VDI 6022 in einer Zahnarztpraxis

Was die Kate­go­ri­sie­rung nach VDI 6022 A und B wirk­lich aus­sagt

Die Ein­tei­lung in Kate­go­rie A oder B hat nichts mit der Grö­ße, dem Alter oder der tech­ni­schen Kom­ple­xi­tät einer Anla­ge zu tun. Maß­geb­lich ist allein die hygie­ni­sche Rele­vanz der zuge­führ­ten Luft für Per­so­nen.

  • Kate­go­rie A umfasst RLT-Anla­gen, deren Zuluft direkt auf Per­so­nen wirkt, etwa in Büros, Schu­len, Ver­samm­lungs­stät­ten, Hotels oder Gesund­heits­ein­rich­tun­gen.
  • Kate­go­rie B betrifft Anla­gen, bei denen die Luft kei­nen direk­ten Ein­fluss auf Per­so­nen hat, zum Bei­spiel bei rein tech­ni­schen Pro­zes­sen oder der Lüf­tung von Maschi­nen­räu­men.

Ent­schei­dend ist also nicht, wo die Anla­ge steht, son­dern wohin die Luft gelangt und wel­che Nut­zung dort statt­fin­det.

Lueftung in Simulationsraum

Häu­fi­ge Fehl­an­nah­men in der Pra­xis

Ein ver­brei­te­ter Irr­tum ist die Annah­me, dass Kate­go­rie-B-Anla­gen grund­sätz­lich kei­nen hygie­ni­schen Anfor­de­run­gen unter­lie­gen. Tat­säch­lich sind auch die­se Anla­gen zu betrei­ben, zu war­ten und zu doku­men­tie­ren – aller­dings ange­passt an ihr gerin­ge­res hygie­ni­sches Risi­ko.

Eben­so häu­fig wer­den gemischt genutz­te Anla­gen falsch ein­ge­ord­net. In Schul- oder Ver­wal­tungs­ge­bäu­den ver­sorgt eine RLT-Anla­ge oft sowohl Auf­ent­halts­räu­me als auch Neben­be­rei­che. Wird die Anla­ge pau­schal als Kate­go­rie B ein­ge­stuft, obwohl sie Luft in Klas­sen- oder Büro­räu­me ein­bringt, ent­steht eine for­ma­le Nicht­kon­for­mi­tät, selbst wenn der sicht­ba­re Anla­gen­zu­stand unauf­fäl­lig ist.

Lueftungsanlage der Kategorie B eines Technikraums im Parkhaus

Kon­se­quen­zen einer fal­schen Ein­stu­fung von Anla­gen nach VDI 6022 Kate­go­rie A und B

Eine feh­ler­haf­te Kate­go­ri­sie­rung bleibt im All­tag oft unbe­merkt, kann jedoch bei Prü­fun­gen erheb­li­che Fol­gen haben:

  • unvoll­stän­di­ge oder feh­len­de Hygie­neinspek­tio­nen
  • nicht VDI-kon­for­me Inspek­ti­ons­in­ter­val­le
  • lücken­haf­te Doku­men­ta­ti­on
  • Bean­stan­dun­gen bei inter­nen oder exter­nen Audits

Nicht jede Abwei­chung bedeu­tet ein aku­tes hygie­ni­sches Risi­ko, sie kann jedoch recht­lich und orga­ni­sa­to­risch rele­vant sein.

Lüf­tungs­an­la­gen der Kate­go­rie A: Höhe­re Anfor­de­run­gen, kla­re Struk­tur

Für Kate­go­rie-A-Anla­gen defi­niert die VDI 6022 unter ande­rem:

  • regel­mä­ßi­ge Hygie­neinspek­tio­nen
  • doku­men­tier­te Sicht- und Funk­ti­ons­prü­fun­gen
  • erhöh­te Auf­merk­sam­keit für Feuch­te­be­rei­che (z. B. Kühl­re­gis­ter, Kon­den­sat­wan­nen)
  • nach­voll­zieh­ba­re Hygie­ne- und War­tungs­nach­wei­se

Die­se Anfor­de­run­gen die­nen nicht der Über­re­gu­lie­rung, son­dern der prä­ven­ti­ven Risi­ko­kon­trol­le.

Kate­go­rie B: Gerin­ge­res Risi­ko, aber nicht ohne Ver­ant­wor­tung

Kate­go­rie-B-Anla­gen sind hygie­nisch weni­ger kri­tisch, jedoch nicht war­tungs- oder doku­men­ta­ti­ons­frei. Auch hier gilt:

  • ord­nungs­ge­mä­ßer tech­ni­scher Zustand
  • Ver­mei­dung von Feuch­te- und Schmutz­ak­ku­mu­la­ti­on
  • nach­voll­zieh­ba­re Zuord­nung und Begrün­dung der Kate­go­rie

Eine sau­be­re Ein­stu­fung schützt Betrei­ber ins­be­son­de­re dann, wenn sich Nut­zun­gen spä­ter ändern.


Die Unter­schei­dung zwi­schen Kate­go­rie A und B ist kein for­ma­ler Akt, son­dern eine fach­lich begrün­de­te Bewer­tung der Nut­zung und Luft­wir­kung. Wer die Logik der VDI 6022 ver­steht und kor­rekt anwen­det, schafft:

  • Rechts­si­cher­heit
  • kla­re War­tungs- und Inspek­ti­ons­struk­tu­ren
  • belast­ba­re Doku­men­ta­ti­on für Audits und Betrei­ber­pflich­ten

Eine kor­rek­te Kate­go­ri­sie­rung ist damit Grund­la­ge für einen ver­hält­nis­mä­ßi­gen, wirt­schaft­li­chen und norm­kon­for­men Anla­gen­be­trieb.

FAQ

Was regelt die VDI 6022 grund­sätz­lich?

Die VDI 6022 defi­niert hygie­ni­sche Min­dest­an­for­de­run­gen für Pla­nung, Betrieb, Inspek­ti­on und Instand­hal­tung von raum­luft­tech­ni­schen Anla­gen (RLT-Anla­gen). Ziel ist es, gesund­heit­li­che Risi­ken durch die Zuluft für Per­so­nen zu ver­mei­den und einen hygie­nisch ein­wand­frei­en Anla­gen­be­trieb sicher­zu­stel­len.

Wor­in liegt der Unter­schied zwi­schen Anla­gen nach VDI 6022 Kate­go­rie A und Kate­go­rie B?

Der Unter­schied ergibt sich aus­schließ­lich aus der hygie­ni­schen Rele­vanz der Zuluft für Per­so­nen:

Kate­go­rie A: Die Zuluft wirkt direkt auf Per­so­nen (z. B. Büros, Schu­len, Hotels, Ver­samm­lungs­stät­ten, Gesund­heits­ein­rich­tun­gen).

Kate­go­rie B: Die Luft hat kei­nen direk­ten Ein­fluss auf Per­so­nen (z. B. Maschi­nen­räu­me, tech­ni­sche Pro­zes­se).
Grö­ße, Alter oder tech­ni­sche Aus­stat­tung der Anla­ge sind kei­ne Ein­stu­fungs­kri­te­ri­en.

Bedeu­tet Kate­go­rie B, dass kei­ne hygie­ni­schen Anfor­de­run­gen gel­ten?

Nein. Kate­go­rie-B-Anla­gen unter­lie­gen eben­falls Anfor­de­run­gen an Betrieb, War­tung und Doku­men­ta­ti­on. Die­se sind jedoch dem gerin­ge­ren hygie­ni­schen Risi­ko ange­passt. Ein voll­stän­di­ger Ver­zicht auf War­tung oder Nach­wei­se ist nicht zuläs­sig.

Müs­sen Kate­go­rie-B-Anla­gen hygie­nisch inspi­ziert wer­den?

Die VDI 6022 sieht für Kate­go­rie B kei­ne Hygie­neinspek­tio­nen im glei­chen Umfang wie für Kate­go­rie A vor. Den­noch muss der Betrei­ber sicher­stel­len, dass: die Anla­ge tech­nisch ord­nungs­ge­mäß betrie­ben wird, kei­ne Feuch­te- oder Schmutz­pro­ble­me ent­ste­hen, die Ein­stu­fung als Kate­go­rie B fach­lich begrün­det und doku­men­tiert ist.

Wie sind Anla­gen mit gemisch­ter Nut­zung ein­zu­ord­nen?

Ver­sorgt eine RLT-Anla­ge auch nur teil­wei­se Auf­ent­halts­be­rei­che von Per­so­nen, ist sie hygie­nisch als Kate­go­rie A zu bewer­ten. Eine pau­scha­le Ein­stu­fung als Kate­go­rie B ist in sol­chen Fäl­len nicht norm­kon­form, selbst wenn ande­re Anla­gen­tei­le nur Neben- oder Tech­nik­räu­me ver­sor­gen.

Wel­che Fol­gen kann eine fal­sche Kate­go­ri­sie­rung haben?

Eine feh­ler­haf­te Ein­stu­fung führt nicht zwin­gend zu einem aku­ten Hygie­ne­ri­si­ko, kann aber bei Prü­fun­gen oder Audits zu: for­ma­len Abwei­chun­gen, unvoll­stän­di­gen Hygie­neinspek­tio­nen, fal­schen Inspek­ti­ons­in­ter­val­len, Bean­stan­dun­gen der Betrei­ber­pflich­ten füh­ren. Das betrifft ins­be­son­de­re Doku­men­ta­ti­on und Nach­weis­pflich­ten.

Wer ist für die kor­rek­te Ein­stu­fung ver­ant­wort­lich?

Die Ver­ant­wor­tung liegt beim Betrei­ber der RLT-Anla­ge. Die Ein­stu­fung soll­te fach­lich begrün­det erfol­gen, idea­ler­wei­se unter Ein­be­zie­hung sach­kun­di­ger Per­so­nen mit VDI-6022-Kom­pe­tenz. Eine nach­voll­zieh­ba­re Doku­men­ta­ti­on ist dabei ent­schei­dend.

Kann sich die Kate­go­rie einer Anla­ge im Lau­fe der Zeit ändern?

Ja. Ändert sich die Nut­zung der ver­sorg­ten Räu­me (z. B. Umnut­zung eines Tech­nik­raums zu einem Büro), muss die Kate­go­ri­sie­rung über­prüft und gege­be­nen­falls ange­passt wer­den. Eine frü­he­re Ein­stu­fung schützt nicht dau­er­haft vor neu­en Anfor­de­run­gen.

Wel­chen Nut­zen hat eine sau­be­re Ein­stu­fung für Betrei­ber?

Eine kor­rek­te Kate­go­ri­sie­rung schafft:
1. Rechts­si­cher­heit bei Prü­fun­gen und Audits,
2. kla­re und ver­hält­nis­mä­ßi­ge War­tungs­struk­tu­ren,
3. belast­ba­re, nach­voll­zieh­ba­re Doku­men­ta­ti­on,
4. einen wirt­schaft­li­chen und norm­kon­for­men Anla­gen­be­trieb.
5. Sie ist damit ein zen­tra­les Ele­ment ver­ant­wor­tungs­vol­len und regel­kon­for­men RLT-Betriebs.

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